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Niedergang der Liturgie und NGL (neues geistliches Lied)

Seit Jahrzehnten ist in den Kirchen eine zu tiefst beunruhigende Tendenz zur Entgöttlichung, Entmystifizierung und Verweltlichung des Gottesdienstes zu beobachten, die nur die Spitze eines Eisbergs darstellt, der die Grundfesten des christlichen Glaubens ergriffen hat.
Es geht hier, wohl gemerkt, um Tendenz, und noch nicht um praktizierte allgemeine Realität in jeder Gemeinde – Gott sei Dank.
Nicht mehr die anbetende und ehrfürchtige Verehrung und Verherrlichung  Gottes stehen im Vordergrund, sondern ein diffuses, naives Verbrüdern und Verschwestern zugunsten weltlicher Ideale und Güter mithilfe von 68er sozialutopistischem Gedankengut. Würde der Begriff ,Gott’ aus dem Wortschatz mancher ,Liturgien’ gestrichen, so würde es Vielen kaum noch auffallen. Der kleine Prinz ist in, die oft ungemütliche und unbequeme Wahrheit der Evangelien out. Maßgeschneiderte Gruppengottesdienst-Events tun ihr Übriges, als wenn es unterschiedliche Klassen Mensch gäbe. Inzwischen hat man es bei Trauungen und Erstkommunionmessen überwiegend mit liturgischen Analphabeten zu tun, die immer erst nach rechts und links durch die Bänke schielen müssen, um zu wissen, wann die ehrfürchtige Haltung des Kniens beginnt oder endet, um weiterhin ernüchtert festzustellen, dass die Anderen diese Basics auch nicht mehr beherrschen. Vater-Unser, Glaubensbekenntnis? Fehlanzeige. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die Musikwünsche auf ähnlichem liturgischen Niveau bewegen - als sei der Gottesdienst eine frei verfügbare und frei gestaltbare Dienstleistung und die Priester und Kirchenmusiker die Erfüllungsgehilfen selbst ernannter, privater Zeremonienmeister - Kirche als Partyservice. Aber so weit brauchen wir gar nicht zu gehen. Vielen Möchte-gern-Liturgen selbst innerhalb der Gemeinden ist offensichtlich nicht mehr bewusst, dass es sich bei jeder Messfeier um die unblutige und reale Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi handelt (s. Vat. II). Dass sich da der Spaßfaktor naturgemäß in Grenzen hält, sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber weit gefehlt. Es geschieht Unerträgliches. Da wird geklampft, getrommelt, geklatscht und gegrölt, was das Zeug hält. Dass dies wohl in den meisten Fällen eher mit Selbstdarstellung als mit Gottesverherrlichung zu tun hat, wird mit einem Schleier des „Wir-wollen-doch-nur-mal-was-Neues-ausprobieren“ verbrämt – der Gottesdienst als Experimentalplattform für Möchte-gern-Liturgen. Allein der fast magisch beschworene gute Wille reicht offenbar, einen Freibrief für jeden Unsinn zu besitzen.
In jeder Messe wird immer Dasselbe gefeiert, da gibt es seit 2000 Jahren nichts Neues. Auch Gott ist nicht von gestern oder von morgen, er ist zeitlos, und in diese Zeit ohne Zeit, in die Ewigkeit hinein und Gott entgegen sollen wir uns angesichts des heiligen Messopfers begeben. Das ist unter den oft dilettantischen Klängen von Klampfenbands, den nervigen off-Beats und den geistlosen Texten mancher NGLs aber wohl kaum zu vollziehen. Das Sacrum ist nicht mehr präsent, stattdessen tobt das Tier an heiliger Stätte - die Kirche als Kasperletheater und Gott als Kasper. Das ungekonnt peinlich dazu im Takt geschwungene Gesäß impliziert ein Übriges. Die Katholiken nähren sich in diesen Dingen leider immer noch aus den "Mülleimern der Protestanten" (Zitat Prof. Dr. Walter Hoeres), denn was diese längst verworfen haben, oder was sich bei denen nicht bewährt hat, greifen die Katholiken später begierig auf und nehmen nicht zur Kenntnis, dass bei den Protestanten die Gläubigen die Kirchen schon größtenteils verlassen haben.
Auch die Gospelei gehört in diese Kathegorie, denn sie entspricht in ihren Urspüngen und in ihrer Ausführung nicht der abendländischen Mentalität und thematisiert ständig in Engführung die Gefangenschaft Israels in Ägypten, als wäre die Zeit stehen geblieben, als hätten Jahrtausende nicht stattgefunden. Die amerikanischen Sklavengesänge können bei uns nicht Maßstab aller musikalischen Dinge sein. Wir haben freiwillig eine Historie adoptiert, die nicht die unsere ist. Vielleicht kauft man auch deswegen den weißen Sklaven, die sich sonntags in Deutschlands Chorräumen zur Beklagung ihres (nie dagewesenen) Schicksals versammeln, ihren Singsang nicht ab. Hinzu kommt noch die Sprache, denn gelten nicht dieselben Argumente, mit denen man krampfhaft versucht hat, das Latein aus der Kirche zu verbannen, für das Amerikanische ebenso? Es wird folglich immer nur der Sack geprügelt und der Esel gemeint.

Die kirchlichen Neo-Liberalisten sind mit etwas tieferschürfenden Fragen unmittelbar zu überführen, aber wer schürft denn noch gern tief? Nun, die Ecclesia hat die große Verheißung, dass sie die Zeiten überdauern wird, also kann man diese Moden gelassen über sich ergehen lassen, aber ein paar blaue Flecken wird sie schon davontragen, die Zahl der Märtyrer zeugt davon.
Zu guter Letzt sei zu erwähnen, dass der schleichende Ersatz gut ausgebildeter, studierter Kirchenmusiker durch gelangweilte Rentner und ebensolche Hausfrauen auf Orgelbänken (vorgeschobener Grund: zurückgehende Kirchensteuereinnahmen - ergo: billig- ergo: Dicountörgler) die hochstehende Kirchenmusik um ihre Kultur bringt und dadurch nachhaltig abgeschafft wird, ersetzt durch die elenden und holprigen Fleißprodukte der bestenfalls Halbbegabten, die allsonntäglich ihr gequältes Publikum in Atem halten und den Ruf der Orgel als Königin der Instrumente nachhaltig schädigen - mit nachhaltiger Reflexion auf die ganze Ernsthaftigkeit eines unschuldigen Berufsstandes.

meine Buchempfehlungen zu diesem Themenkomplex: Prof. Dr. Walter Hoeres: Der Aufstand gegen die Ewigkeit- Kirche zwischen Tradition und Selbstzerstörung

Theodor W. Adorno: Jargon der Eigentlichkeit
Auszug-Zitat, das voll auf die seichte Pseudo-Kirchenmusik trifft:
„Das formale Gehabe von Autonomie ersetzt deren Inhalt (…) Unabhängig vom Kontext wie vom begrifflichen Inhalt klingen sie, wie wenn sie ein Höheres sagten, als was sie bedeuten.  Kaum zufällig hat Benjamin den Terminus „Aura“ eingeführt (…) Sakral ohne sakralen Gehalt sind die Stichworte des Jargons der Eigentlichkeit, Verfallsprodukte der Aura. Diese paart sich mit einer Unverbindlichkeit, die sie inmitten der entzauberten Welt beliebig disponibel macht. Die Dauerindektive wider die Verdinglichung, die der Jargon darstellt, ist verdinglich. Er gehorcht Richard Wagners gegen schlechte Kunst gerichteter Definition des Effekts als Wirkung ohne Ursache. Wo der Heilige Geist ausging, redet man mit mechanischen Zungen.“

Youtube-Link Original-Vortrag >>>

Youtube-Link: Adorno über Popmusik und ihren Charakter des Konsums, entlarvend und vernichtend! >>>

Hans Henny Jahnn: " Ein Kultdienst [Gottesdienst] aber, der die ästhetische Sünde nicht wertet, kann sich nicht davor schützen, dass die schwächliche Gebärde bis in seine Nähe getragen wird." (Die Orgel und die Mixtur ihres Klanges)


Ein Organistenkollege hat mir folgende Mail zu dem obigen Text geschickt, die hier mit seinem Einverständnis anonymisiert gepostet ist. Ein anderer Organist, der diese Mail gelesen hat, fand das gegen seine eigenen Erlebnisse sogar noch harmlos.

Sehr geehrte Frau Jahn,

vor einigen Tagen habe ich zufällig ihren Text gefunden, mir ausgedruckt und mehrmals gelesen (auch vorgelesen!). Als seit 20 Jahren in der evangelischen Kirche nebenamtlich tätiger Organist und Chorleiter hat mir da vieles aus der Seele gesprochen. Besonders die Formulierungen von "Kirche als Partyservice" und vom "naturgemäß begrenzten Spaßfaktor". Insgesamt fand ich Ihre Haltung aber schon etwas sehr aggressiv und verbittert. Bis zum Samstag:

Letzten Samstag hatte ich nämlich eine Trauung zu orgeln, nach der die Messnerin (eine sehr liebe und kluge Frau) und ich uns nur fassungslos angeschaut haben. Abgehalten wurde sie von einem katholischen Pfarrer. Außer dem Brautpaar kamen beim Einzug zwei große Hunde in die Kirche (einer im weißen Kleidchen, einer mit schwarzem Jäckchen), beide hechelten den ganzen Gottesdienst sehr laut (In der Tat"Das Tier an heiliger Stätte").  Ich bin so erschrocken (leichte Hundephobie), daß ich beim Hochzeitsmarsch (ja der wurde gewünscht) 3 Takte Totalausfall produzierte. Der Pfarrer las den Paulus-Text mit persönlichen Weiterführungen und dem Hinweis, daß alles in dem Lied "All you need is love" drinstehen würde. Die Predigt hätte sehr gewonnen, wenn sie sich wenigstens auf den "Kleinen Prinz" bezogen hätte: es war eine ungeordnete Abfolge von Kalauern und Anzüglichkeiten ala "Lieber Gott gib mir Geduld aber flott", außerdem ließ der Pfarrer dann noch Gummibärchen durchgeben (Partner sind sich unent"bär"lich) - leider war nichts davon wenigstens wirklich witzig. Die Ja-Worte der Brautleute kommentierte der Pfarrer mit "Super!". Der Segen war auch freestyle- mäßig, so daß ich nicht erkennen konnte, wann das Amen kommen sollte.
In der Tat so einen "Gottesdienst" braucht kein Mensch und Gott schon garnicht.

Mit freundlichen Grüßen

(Name)

Man fragt sich Angesichts solcher Zustände, wann die Sektenbeauftragten gewisse Gemeinden bzw Geistliche vom BND überwachen lassen.

s. hierzu auch >>>

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